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Ferrari FF im Fahrbericht


Ferrari zeigt mit dem neuen FF jetzt den ersten vollwertigen Viersitzer mit Allradantrieb. Ein weiterentwickelter V12 mit 660 PS und Start-Stopp-Automatik sorgt für beste Fahrleistungen

Eckdaten PS-KW: 659 PS (485 kW) Antrieb: Allradantrieb, permanent, 7-Gang-Doppelkupplung 0-100 km/h: 3.70 Sekunden Höchstgeschwindigkeit: 335 km/h Preis: 258000 € Vor allem bei Fragen nach dem „Warum“ oder „Wie“, lassen wir den Ferrari FF für sich selber sprechen. Wie sich herausstellt, genügen nämlich rund zwei Kilometer, um die Antworten zu bekommen. Wir starten sanft, vorsichtig auf einer gut gepfl egten Landstraße durch die italienischen Dolomiten. Der Verkehr bremst den roten Neuling immer wieder ein, doch hinter dem Steuer macht sich deshalb keine Enttäuschung breit. Der FF rollt leise – ohne störende Wind- oder Reifenabrollgeräusche. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet automatisch, die adaptiven Dämpfer arbeiten effektiv im Komfortmodus. Der Ferrari beherrscht diese Gangart gut. Weicht der Verkehr allerdings, demonstriert der Ferrari FF, das es schneller geht, viel schneller – und lauter.

MEHR KRAFT ALS EIN FERRARI 599 GTB
Der 660 PS starke V12 mit 6,3 Liter Hubraum und Benzin-Direkteinspritzung ist eine Weiterentwicklung auf Basis des Ferrari 599-Triebwerks. Doch es ist viel eher sein Drehmoment, die schiere Kraft also, die stärker beeindruckt als die Topleistung. Schließlich stellt der Ferrari FF mehr Drehmoment (683 Nm) als der Ferrari 599 GTB (608 Nm) zur Verfügung. 80 Prozent der Maximalkraft stehen schon ab 1750 Umdrehungen parat, trotz seiner zusätzlichen Pfunde beschleunigt der FF mit 3,7 Sekunden von null auf Tempo 100 fast genauso schnell wie sein zweisitziger Verwandter. Und der nächste Tunnel in den Dolomiten stellt klar: Auch der Klang des V12 klassifiziert ihn als echten Ferrari.

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Wieder im Tageslicht angekommen, ändert die Straße ihren Charakter. Sie ist jetzt enger und windet sich den Berg hinauf. In den schnellen, im dritten und vierten Gang durcheilten Kurven fühlt sich der Allradler wie ein klassischer Gran Turismo mit Heckantrieb an, allerdings mit einer sehr direkten Lenkung. 2,2 Umdrehungen reichen von Anschlag zu Anschlag, kaum mehr als im wendigen Ferrari 458 Italia. Der Manettino genannte Drehschalter für die Fahrdynamikprogramme am Lenkrad steht jetzt auf „Sport“. Die Dämpfer sind härter, der Ferrari FF lenkt agil und mit wenig Karosserieneigung ein.

Die Straße führt ohne Vorwarnung über eine Reihe von gefährlichen Buckeln, die der Ferrari selbst in „Sport“ gut verdaut. Unvermittelt folgt dahinter eine enge Biegung. Die Kurveneingangsgeschwindigkeit liegt etwas zu hoch, der Ferrari FF schiebt leicht über die Vorderräder. Und jetzt kommt der Trick, den kein anderer Serien-Ferrari beherrscht. Der Fahrer tritt einfach auf das Gaspedal, und das Ergebnis lautet: nahezu perfekte Traktion, kein Abwürgen der Motorleistung und stetiges Beschleunigen.

GROSSES LEISTUNGSVERMÖGEN
Die zwei Kilometer sind fast absolviert, doch in der letzten Kurve lauert im Scheitelpunkt eine dünne Schicht Schnee auf den Roten aus Maranello. Eine Grafik im Cockpit-Display und wahlweise auch eine Anzeige direkt über dem Handschuhfach zeigen erneut das blitzschnelle unterstützende Eingreifen der Vorderachse an. Das ESP wird dabei gar nicht erst bemüht. Der neue FF beweist auf dieser kurzen Strecke all sein Können. Und er tut dies mit drei Passagieren an Bord. Gleichzeitig stellt er ein Kofferraumvolumen von 450 Litern zur Verfügung. Das Adjektiv „beeindruckend“ beschreibt dieses Potenzial nur ansatzweise.

Die Frage „Warum baut Ferrari einen solchen Wagen mit vier Sitzplätzen und Allradantrieb?“, beantwortet Geschäftsführer Amedeo Felisa im Interview auf der nächsten Seite.

Ein Blick in die Eingeweide des Aluminium-Spaceframe-Chassis gibt dagegen Antwort auf das „Wie“. 40 Millimeter mehr Radstand gegenüber dem Vorgänger FERRARI 612 SCAGLIETTI ermöglichen ein größeres Raumangebot. Mit 2,99 m entspricht er übrigens dem Radstand des Aston Martin Rapide. Der erste V12 des Hauses mit Direkteinspritzung und Start-Stopp-Automatik ermöglicht eine Reduzierung der Emissionen von 25 Prozent gegenüber dem 612. Das Doppelkupplungsgetriebe agiert etwas zögerlicher als sein Pendant im 458 Italia, ist aber um Welten besser als die bisherige hydraulisch betätigte sequenzielle Schaltung.

Der Allradantrieb 4RM zwingt dem Ferrari FF (Ferrari Four) nur 45 zusätzliche Kilos auf und ist damit bis zu 50 Prozent leichter als vergleichbare Systeme. Er kommt ohne Mitteldifferenzial aus. Vorn am Kurbelgehäuse des V12 sitzt ein zweites Getriebe mit nur zwei Vorwärts- und einem Rückwärtsgang. Zwei Kupplungen egalisieren bei diesem 2005 patentierten System die Drehzahlunterschiede zwischen den Hinter- und Vorderrädern. Diese Kupplungen übernehmen nicht nur die Rolle eines Differenzials, sondern sind auch für die gezielte Drehmomentverteilung an einzelnen Rädern zuständig (Torque Vectoring). Schließlich nutzt der FF die ganze Bandbreite elektronischer Traktionshilfen, die auch schon der 458 Italia und der limitierte FERRARI 599 GTO besitzen. Franco Cimatti, zuständiger Direktor für Technologische Konzepte, erklärt interessanterweise, dass sich die FF-Allradtechnik weniger an bestehenden Pkw-Systemen orientiert als an entsprechenden Zusatzantrieben im Landmaschinenbau.

WER SIND DIE DIREKTEN RIVALEN?
Es ist schwierig, einen direkten Rivalen für den Ferrari FF auszumachen. Vor allem, wenn man den Preis von 258.000 Euro (plus Fracht) betrachtet. Der Bentley Continental GT gehört dazu. Doch dieser ist schwerer, viel weniger agil, also keine richtige Alternative. Der Ferrari Four bietet überraschenderweise auch noch das größere Platzangebot. Der Aston Martin Rapide ist ähnlich sportlich zu bewegen, aber etwas edler in der Anmutung. Die Wendigkeit des Ferrari erreicht er jedoch nicht. Aber schließlich ist der Italiener auch 70.000 Euro teurer. Eines steht fest: Wir sollten Ferrari zu diesem mutigen Auto – einer kleinen Revolution – gratulieren. Wirklich.

Jamie Corstophine, Holger Eckhardt

INTERVIEW: „DER FF IST EIN Ferrari FÜR JEDEN TAG“

Hat Sie bei der Entscheidung für den Ferrari FF der Konkurrenzdruck eines Porsche Panamera oder eines Aston Martin Rapide beeinflusst?
Nein, mit dem FF wollen wir unsere Modellpalette sinnvoll erweitern. Der FF ist der Ferrari für jeden Tag und für jeden Straßenzustand. Der FF folgt den Wünschen von Kunden, die einen 2+2-Sitzer kaufen wollen. Wir möchten ständig ein solches Auto im Angebot haben, das zwei komfortable Sitze im Fond bietet.

Haben Sie auch über eine Lösung mit vier Türen nachgedacht?
Nein, mit den jetzt vorhandenen Modellen ist die Palette komplett. Wir kennen die Wünsche unserer Kunden und künftiger neuer Kunden genau. Ich denke, wir müssen mit dem FF auch neue Interessenten ansprechen. Ein gutes Beispiel dafür ist der California: 60 Prozent aller Käufer haben nie zuvor einen Ferrari gekauft. Den FF haben wir in FERRARI MARANELLO unseren V12-Kunden vorgestellt. Es waren etwa 400, und rund 80 Prozent von ihnen waren von dem FF-Konzept begeistert.

Welche Länder sind die wichtigsten Märkte für den Ferrari FF?
Deutschland, die Schweiz und England in Europa. Dazu kommen die USA, Nord-China und Russland. Noch ist Deutschland (660 Autos in 2010) nach den USA der zweitwichtigste Ferrari-Markt, doch China wird bald auf demselben Niveau liegen. 2010 haben wir insgesamt 6573 Autos verkauft – ein neuer Rekord. Und dieses Jahr wird der Marktstart in Indien erfolgen.

Ist der Allrad-FF fahrdynamisch mit den übrigen Modellen zu vergleichen?
Ja, die Fahrleistungen liegen auf FERRARI 599 GTB-Niveau. Dazu besitzt der FF nicht die Neigung zum Untersteuern, wie es bei anderen Allrad-Konzepten der Fall ist. Unser Allrad greift erst bei Nässe oder Schnee wirklich ein. 30 Prozent der Antriebskraft erreichen dann die Vorderachse. Bei Trockenheit fahren Sie ein Heckantriebsauto.

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Ferrari FF PS/KW 659/485
0-100 km/h in 3.70s,
Allradantrieb, permanent, 7-Gang-Doppelkupplung
Spitze 335 km/h
Preis 258000 €
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